Pressebild Erzbischof Herwig Gössl
© Pressestelle Erzbistum Bamberg
Bamberg, im Januar 2026
Grußwort für das Jahr der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit 2026
„Schulter an Schulter miteinander“ – Mit diesem Jahresmotto der christlich-jüdischen Zusammenarbeit im Jahr 2026 assoziiere ich zunächst Bilder von einem Militärbataillon. Soldaten stehen Schulter an Schulter, die Gewehre griffbereit, ein furchteinflößendes Bild. Es besagt: Niemand kommt hier durch. Wir stehen hier wie ein Mann. Keine Chance für das Gegenüber!
Doch beim weiteren Nachdenken kommen mir auch andere Bilder in den Sinn: Akrobaten, die zusammenrücken, damit ein anderer auf ihren Schultern sicheren Stand findet und ein Turm aus Menschen entsteht. Oder Menschen, die sich solidarisieren angesichts einer Tragödie, wie zuletzt in Crans-Montana in der Schweiz. Es tut gut, die Nähe der anderen zu spüren, einfach zu wissen, dass man nicht allein ist, angesichts von Verlusterfahrung und Schrecken. Eine solche Gemeinschaft ist offen für andere, ich kann mich dazustellen – Schulter an Schulter – weil ich angerührt bin als Mensch, ohne mich politisch oder gar ideologisch zu positionieren. Diese Bilder wirken nicht abschreckend, sondern einladend. Sie bergen in sich eine Verheißung auf die Möglichkeit einer besseren Welt.
„Schulter an Schulter miteinander“ ist ein gutes Motto für die Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit. Es unterstellt nicht, dass wir gemeinsam gegen den Rest der Menschheit stehen, sondern es macht deutlich, dass wir zum Aufbau einer neuen Gemeinschaft einladen. Trotz unserer Geschichte voller Hass und Gewalt bis hin zum Holocaust und zu den Auswüchsen des Antisemitismus unserer Tage ist es möglich, eine bessere, eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Das ist der Keim der Hoffnung, der uns geschenkt ist. Er möge wachsen in unseren Tagen – mit Gottes Hilfe!
Herwig Gössl
Erzbischof von Bamberg