Woche der Brüderlichkeit 2019
 

Die zwei Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille 2019

Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA)

Die in 2003 gegründete Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V) gehört bundesweit zu den ersten zivilgesellschaftlichen Trägern, die sich der Herausforderung gestellt haben, innovative Konzepte für die kritische Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft zu entwickeln. Die mit der Einwanderungsgesellschaft einhergehenden Spannungsfelder, die durch das Zusammenleben unterschiedliche Menschen, mit verschiedenen ethnischen, kulturellen, religiösen oder nationalen Bezügen, entstehen, versteht die KIgA als Herausforderung und als Chance und nutzt sie als zentralen Ausgangspunkt ihres Bildungsansatzes. Dabei nutzt der Träger auch die Vielfalt seines interdisziplinären Teams, das Menschen unterschiedlicher Herkünfte und Selbstverständnisse vereint.

KIgA e.V. arbeitet bundesweit und international zu den thematischen Schwerpunkten: Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart, Antimuslimischer Rassismus, Nahostkonflikt, politischer Islam/Islamismus, Radikalisierungsprävention.

Bewusst werden für verschiedene Zielgruppen angemessene und sinnvolle Zugänge für komplexe, sensible und politisch brisante Inhalte geschaffen. Die vielfältigen Aktivitäten und Angebote reichen von Workshops und Seminaren für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen über Jugendaustausch, Bildungsreisen, Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen etc.

Außerdem veranstaltet die KIgA internationale Konferenzen und Tagungen, Informations- und Diskussionsveranstaltungen, bietet Fachaustausch und Beratung sowie Trainings zur Sensibilisierung und Qualifizierung, die insbesondere Fachkräften, Multiplikator/innen und Gremien aus den Bereichen Bildung, Sozialarbeit, Kultur, Politik und Verwaltung zugutekommen.

Konstant werden neben der aktuellen Bildungsarbeit neue Methoden in Modellprojekten entwickelt, die sich mit neuen gesellschaftlichen Herausforderungen befassen. Beispielhaft dafür sind das Projekt „Discover Diversity“, das junge Geflüchtete in die politische Bildung einbezieht, ihre Erfahrung berücksichtigt und darüber neue Zugänge zu historisch-politischer Bildung sucht und auch das Projekt „AKRAN – Peer to Peer gegen Vorurteile“, dass junge, vorwiegend muslimisch sozialisierte Jugendliche auf den Einsatz in der politischen Bildungsarbeit in Schulen, Moscheegemeinden und Jugendeinrichtungen vorbereitet.

In Kooperation mit dem Berliner Senat richtet die KIgA mit der „Praxisstelle Bildung und Beratung“ zurzeit eine zentrale Anlaufstelle für Berliner Schulen ein, und bietet dort Workshops, Fortbildungen und Beratungen zu den KIgA Kernthemen wie z.B. Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus und Radikalisierungsprävention an.

Die innovativen Konzepte der KIgA sind nicht nur in Berlin und bundesweit gefragt, auch auf dem internationalen Parkett engagiert sich der Träger. So arbeitet die KIgA in Kooperation mit verschiedenen Ministerien und Organisationen seit 2017 am Aufbau eines europäischen und transatlantischen Netzwerks im Bereich der Antisemitismusprävention.

 
 

Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC)

Das Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC) ist ein in zwölf Bundesländern sowie in Frankreich agierendes Netzwerk, in dem sich junge Menschen freiwillig und gut qualifiziert für eine demokratische Kultur und gegen menschenverachtendes Denken engagieren. Koordiniert werden die Landesnetzstellen in den 12 Bundesländern durch die Bundesgeschäftsstelle mit Sitz in Dresden. Auf Bundesebene vertritt der Verein Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. die Interessen des Netzwerks. Das 1999 gegründete Netzwerk besteht aus einem breiten Bündnis aus Multiplikator/-innen, Jugend-, Wohlfahrts- und Gewerkschaftsverbänden, weiteren zivilgesellschaftlichen und staatlichen Organisationen und Gruppierungen.

Ein Hauptarbeitsfeld des NDC ist die Qualifizierung und Betreuung von jungen freiwilligen Menschen als Multiplikator/-innen. Diese setzen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen demokratiebestärkende Projekttage an Schulen und Ausbildungseinrichtungen um.

Die NDC-Projekttage bearbeiten Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Flucht, Asyl, couragiertes Handeln im Internet, Sexismus, Antisemitismus, Kommunikation oder Teamarbeit. Ziel der jeweiligen Projekttage ist es, Kinder und Jugendlichen zu mehr Zivilcourage und demokratischem Handeln zu ermutigen.

Junge Erwachsene ab 18 Jahren haben im NDC die Möglichkeit, sich als Teamer/-innen freiwillig zu engagieren. Mit vielen anderen Engagierten können sie als Multiplikator/-innen wirksame Schritte gegen menschenverachtende Haltungen entfalten.

Über die Projekttage hinaus, bietet das NDC Seminare, Fortbildungen und Beratungen für Akteur/-innen an Schulen und Verbänden an. Wichtige ergänzende Angebote in der Erwachsenenbildung sind hier beispielsweise die Argumentations- und Handlungstrainings gegen rechts und Qualifizierungen für die Arbeit mit Multiplikator/-innen.

Neben inhaltlichen und methodischen Fortbildungen vertritt das NDC in Beratungen den systemischen Beratungsansatz, in dessen Mittelpunkt die Stärkung und Förderung der Analyse-, Lösungs- und Weiterentwicklungskompetenzen der jeweiligen Beratungsnehmer/-innen stehen. Das NDC bestärkt Menschen in ihrem demokratischen Handeln und Wollen vor Ort und unterstützt diese.

Alle Aktivitäten innerhalb des NDC sind eingefasst in netzwerkweit vereinbarte Qualitätskriterien und dem NDC-Konsens.

Mit ihrem Einsatz gegen Antijudaismus und die unterschiedlichen Formen des Antisemitismus leisten beide Vereine herausragende Beiträge für das zivilgesellschaftliche Zusammenleben und die Förderung der Demokratie in Deutschland. Mit ihrem Engagement entsprechen die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und das Netzwerk Demokratie und Courage dem für 2019 gewählten Jahresthema „Mensch, wo bist du? – Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ auf vielfältige Weise.